Thursday, 27 March 2014

Die Hutterer


(This article was first published in the March 2014 edition of the Deutsche Rundschau.)

Die Hutterer sind eine christliche Glaubensgemeinschaft , die auch Gűtergemeinschaft pflegt – wie es von der apostolischen Urgemeinde vorgelebt wurde: Alle aber, die gläubig waren geworden, waren beieinander und hielten alle Dinge gemein. Ihre Güter und Habe verkauften sie und teilten sie aus unter alle, nach dem jedermann not war. Apostelgeschichte 2, 44 - 45.

Zudem glauben die Hutterer, dass man brűderliche Liebe in der Gemeinde am Besten pflegen und leben kann: Dabei wird jedermann erkennen, daß ihr meine Jünger seid, so ihr Liebe untereinander habt. Johannes 13, 35

            Ursprünglich aus Deutschland und Ősterreich stammend, leben die Hutterer seit 1874 in den Vereinigten Staaten und seit 1918 in Kanada. Wegen Verfolgung flohen sie von einem europäischen Land zum anderen  – von Deutschland und Ősterreich nach Tschechien, Ungarn, Rumänien und schlieβlich nach Russland. Nach hundert Jahren in Russland, verliessen sie auch dieses Land, da die damalige Regierung gebot, dass in allen Schulen Russisch unterrichtet werden sollte. Ausserdem wurde es ihnen auch nicht mehr erlaubt, aus Gewissensgründen den Kriegsdienst abzulehnen. 

Also wanderten die Hutterer in die Vereinigten Staaten aus, wo man sie einlud in dem Dakota Territory zu siedeln. So konnten sie sich auf der Präirie - die der russischen Steppe ja so ähnlich ist - ein neues Zuhause schaffen. Nach dem ersten Weltkrieg, wo es den Hutterern in den Vereinigten Staaten nicht gut ging, beschlossen sie, nach Kanada auszuwandern. Später zogen manche Hutterer wieder in die USA zurűck.

            Jede Hutterer Gemeinde hat ihre eigene Schule,  wo u. a. Deutsch und Englisch unterrichtet wird. Viele Gemeinden haben eigene ausgebildete LehrerInnen, aber in manchen Kolonien werden die Kinder von nicht- hutterischen Lehrkräften unterrichtet. 

            Die alltägliche Sprache der Hutterer, die sie Hutterisch nennen, ist eigentlich ein Dialekt aus Ősterreich. Wenn fünfjährige Kinder mit der Schule anfangen, können sie nur dieses Kärtnerdeutsch. 

Heute leben ungefähr 45,000 Hutterer in etwa 450 Kolonien in den Vereingten Staaten: Nord Dakota, Süd Dakota, Minnesota, Washington, Montana und Oregon; in Kanada: Manitoba, Saskatchewan, Alberta und British Kolumbien. Eine Hutterer Gemeinde sieht  wie ein riesig groβer Bauernhof aus. Die Männer sind mit Landwirtschaft und in den verschiedenenen Ställen beschäftigt – sie züchten Kűhe, Schweine, Hühner, Truthühner und Gänse. Manche Kolonien betreiben andere Industrien sowie Schreinerei-Werkstätten, Ventilation- und Fensterfabriken. Dazu werden verschiedene Gegenstände hergestellt, wie Stűhle und eine Vielfalt an Eisenwaren.

Die Frauen sind in der Gemeindekűche, in der Schule als Lehrerinnen, beim Kinderpflegen und im Haushalt tätig. Neuerdings wurden in Manitoba vier Krankenschwestern ausgebildet. Im Sommer gibt es im Geműse- und Obstgarten und mit Einkochen viel zu tun. Sie sind ausgezeichnete Handarbeiterinnen: Nähen, Stricken, Häkeln, Sticken und Steppen u. a.


Schloss Taufers, Sűd Tirol, wo Hans Krael gefangen lag.
Vor kurzem hatte ich eine besonders schöne Gelegenheit eine europäische Reise anzutreten. Als eine Kollegin und ich ein Stipendium gewannen, entschieden wir,  vor dem Beginn des Kurses, zusammen mit drei anderen Hutterern die Spuren unsrer Vorfahren zu folgen.  Diese brachten uns in die Schweiz, Ősterreich, Sűd Tirol, die Slovakai, die Tschechische Republik und Deutschland. Manche von diesen historischen Orten, wie Veľké Leváre in der Slovakei,  waren vor vielen Jahren Hutterergemeinden. An vielen Orten, wie  z.B.  auch Rattenberg, in Tirol, wurden sie traurigerweise wegen ihres Glaubens unbarmherzig gefoltert und hingerichtet.   Das Große Geschichtbuch der Hutterischen Brüder,  berichtet dass im Jahr 1528,  ‘An diesem Ort bis in die 70 Personen mit ihrem Blut gezeugt haben.' 


Also kam ich nach Kanada zurűck mit einem Gefűhl von tiefster Dankbarkeit. Unsere Vorväter, stark im Glauben,  litten und kämpften fűr die Wahrheit, obwohl sie wussten, dass es ihnen ihr Leben kosten könnte. Wir hingegen, leben in Ländern mit Religionsfreiheit, wo wir ein ungestörtes, ruhiges Leben geniessen. Ob unser Glauben heute auch so kräftig wirkt wie damals bei unseren Vorfahren?

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